Es bleiben uns nur noch einige topographische Angaben zu machen. Die Doppeltür mit dem Briefkasten geht auf die Straße hinaus, doch ist sie immer verschlossen und verstellt gewesen. Man tritt durch die schmale, hohe Tür – aus einem engen Vorhof kommend – ins Atelier. Das Pultdach der Baracke fällt nach dieser Hofseite ab; das überhöhte Fenster gibt hier das den Malern erwünschte Nordlicht. An der gegenüberliegenden Wand, wo der Raum am höchsten ist, ist die Schlafempore eingezogen, regulärer Bestandteil eines Pariser Künstlerateliers und suspendue oder soupente genannt; an der Wand links sieht man den Handlauf der Treppe; über dem Bett sieht man die Pfetten der Emporenunterseite.
Das Atelier ist etwa viereinhalb Meter breit und tief. Als Giacometti es 1927 mietete, dachte er, es sei winzig: »Es war die erste Gelegenheit, die sich bot, ich hatte keine Wahl. Ich wollte so bald als möglich wieder ausziehen, da es so eng war – nicht mehr als ein Loch. Aber je länger ich blieb, desto größer wurde es. Hier habe ich alles machen können. Hier habe ich auch die großen Stehenden Figuren gemacht, die zum Schreitenden Mann gehören (1960). Einmal hatte ich drei sehr hohe Figuren – zwei zu jener Gruppe und noch eine – zur gleichen Zeit da drin. Und es blieb mir Platz zum Malen neben ihnen. Wenn ich ein größeres Atelier hätte, so würde ich darin nicht mehr Platz benutzen.«
Reinholt Hohl
Gerhard Fischer hat den Text Die Spitze zum Auge in eine deutsche Fassung gebracht. Dafür sei Jean Clair herzlich gedankt.